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Akademie Schloss Solitude/City of Stuttgart / Deutschland
Einreichungsfrist: 16-Mär-2026
Kategorie: Residenz


Auschreibungs Bild
(c) Barackenlager in der heutigen Jugendfarm Möhringen, Möhringen-Kaltental. Photo by Andreas Langen

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Die Akademie Schloss Solitude und die Koordinierungsstelle Erinnerungskultur der Landeshauptstadt Stuttgart vergeben zwei künstlerische Aufenthaltsstipendien von jeweils sechs Monaten im Zeitraum Juli 2026 bis Juni 2027. Die Stipendien richten sich sowohl an internationale Künstler*innen als auch Künstler*innen aus dem Raum Stuttgart aus den Bereichen Bildende Kunst sowie Kunst im öffentlichen Raum. Ziel ist die Produktion einer ortsbezogenen künstlerischen Arbeit im öffentlichen Raum, die die Vermittlung und Zugänglichkeit von einem oder mehreren konkreten Orten der Zwangsarbeit für die Stadtgesellschaft fördert.

Das Projekt Zwangsarbeit/en – Work Force/d rückt Orte der nationalsozialistischen Zwangsarbeit in Stuttgart in den Mittelpunkt einer künstlerischen Auseinandersetzung. Zwischen 1939 und 1945 waren zehntausende Menschen aus ganz Europa in Stuttgart als Zwangsarbeiter*innen eingesetzt – in Industrie, Bauwesen, Landwirtschaft, öffentlichen Einrichtungen und privaten Haushalten, häufig unter unmenschlichen Bedingungen. Die Orte dieser Zwangsarbeit waren Teil des städtischen Alltags. Viele existieren bis heute, sind jedoch kaum noch als Orte von Gewalt, Ausbeutung und Entrechtung erkennbar.

Im Rahmen der Residenzen sollen diese Orte durch künstlerische Interventionen und Vermittlungsformate wieder lesbar werden – nicht als abgeschlossene historische Schauplätze, sondern als Räume, die im heutigen Stadtraum neu befragt und gemeinsam ausgehandelt werden. Welche Geschichten, Spuren und Brüche sind in ihnen eingeschrieben? Wie wirken die Erfahrungen der Zwangsarbeit in Biografien, familiären Erinnerungen und gesellschaftlichen Strukturen bis heute nach? Und wie lassen sich von diesen historischen Orten aus Bezüge zu gegenwärtigen Formen erzwungener, abhängiger oder prekärer Arbeit herstellen – ohne einfache Gleichsetzungen, aber mit einer kritischen Aufmerksamkeit für Kontinuitäten und Verschiebungen?

Erinnerungskultur wird dabei als offener, dialogischer Prozess verstanden, der sich erst in der Begegnung von künstlerischer Praxis, historischer Recherche und Stadtgesellschaft im öffentlichen Raum entfaltet. Die künstlerischen Arbeiten und begleitenden Vermittlungsformate sollen Räume eröffnen, in denen unterschiedliche Erfahrungen, Erinnerungen und Perspektiven zusammenkommen – und in denen sich die Geschichte der Zwangsarbeit mit heutigen Fragen von Arbeit, Migration, Ausbeutung und Verantwortung neu verschränken kann, auch im globalen Zusammenhang.

Das Stipendium umfasst:

- einen sechsmonatigen Aufenthalt in Stuttgart, optional aufgeteilt auf zwei Zeiträume
- ein monatliches Stipendium von 1.300 €
- ein möbliertes Wohn- und Arbeitsstudio an der Akademie Schloss Solitude
- einmalige Erstattung der Reisekosten für An- und Abreise
- Projektmittel in Höhe von 5.000 € pro Stipendium (für Recherche und Produktion)
- Übernahme der Krankenversicherungskosten für Nicht-EU-Bürger*innen
- Austausch mit einer internationalen, multidisziplinären Stipendiat*innengemeinschaft
- Teilnahme an Veranstaltungen der Akademie
- Unterstützung bei lokaler und regionaler Vernetzung
- Nutzung der Werkstätten (Holz, Metall, Videoschnitt/VR) und Bibliotheken

 

Bewerbungsgebühr: keine Gebühr angegeben

Altersbeschränkung: keine Angabe

Regionale Beschränkung: international call